Unzone: Papierofenbrand – paper kiln| Freitag, 28.03.14

Unzone Papierofenbrand

Papierofen in der Unzone in Aktion

Papierofen in der Unzone in Aktion

Der Papierofenbrand ist eine sehr alte Methode mit einfachsten Mitteln Keramiken zu brenenn. Die Keramiken werden dazu mit Metalloxyden beschichtet, welche bei unterschiedlichen Temperaturen ausschmelzen und so Ihre Farben entwickeln. Da dieser Primitivbrand keine gleichmäßigen Temperaturen garantiert und auch sonst naturgemäß viele vom Zufall abhängige Faktoren enthält, eignet er sich besonders für die Nachbehandlung bereits glassierter Keramiken, um eine lebhaftere und natürlich wirkendere Oberflächenstrukur zu bekommen.
Unter der Leitung von James Clay wurde als Abschluss des Keramiksymposiums der Unzone am Freitag, den 29.03.14 ein Papierofen gebaut und bestückt. Als Berater stand Josef Huber zur Seite, der durch seine kunstvollen Ofenkacheln vielen Ofensetzern im Inntal ein Begriff ist und über eine sehr große Erfahrung im Umgang mit Keramik verfügt.

Der Papierofen besteht im Unterbau aus einem Baugitter sowie zwei Stahlstäben die dazu dienen, ihn nach der Anzündphase von den Steinen auf en Boden heruntersetzen zu können. Zwischen Boden und Gitter werden zerknüllte Zeitungen gesteckt. Auf das Gitter kommt anschließend eine Schicht Holzkohle.
Auf die Kohle werden jetzt die Keramiken gelegt.
Anschließend wird mit Holz eine Tipiform um die Keramiken gebaut. Das so entstandene Holzgerüst muss jetzt mit in flüssigem Ton (Schlicker) getränktem Papier belegt werden. Nach 8 bis 10 Schichten ist der Ofen fertig. An der Spitze bleibt ein kleines Loch aus dem später, nach ca 8 Stunden, wenn die Reduktion in vollem Gange ist, eine blaue Flamme aufsteigt.
Nach dem Anzünden wird der Ofen zunächst mit Hilfe der Stahlstäbe von den Steinen heruntergenommen, auf den Boden gestellt und mit Schlicker und Erde nach unten luftdicht abgedichtet.
Nach ca. 6 bis 8 Stunden ist das gesamte Holz wie in einem Kohlenmeiler in Kohle umgewandelt und es beginnt die Reduktionsphase. Kennzeichen ist eine blaue Flamme die jetzt in der oberen Öffnung des Ofens sichtbar wird. Während dieser Phase wird die höchste Temperatur von ca. 1200 Grad erreicht. Die Papier-Ton Schichten isolieren den Ofen dabei so gut, das das Papier an der Aussenhaut teilweise bis zum Ende des Brandes feucht bleibt.
Der gesamte Brand dauert ca. 24 Stunden. Nach dieser Zeit ist der Ofen soweit abgekühlt, daß nachdem er aufgebrochen worden ist, die Keramiken problemlos entnommen werden können.
Die englische Bezeichnung für einen Papierofen ist übrigens paper kiln. Unter diesem Suchwort findet man im Internet weitere sehr interessante Berichte.
Neugierige, die einen Papierofenbrand jetzt selber einmal unter fachkundiger Anleitung ausprobieren möchten können sich gerne mit James Clay oder Josef Huber (www.josef-huber.net) direkt in Verbindung setzen und so z.B. einen Wochenendurlaub im wunderschönen Tiroler Rettenschöss mit einem Kunstseminar verbinden.